ragetagol – Erkenntnisgewinn für Suchmaschinenoptimierung?

Regelmäßig werden in der Suchmaschinenoptimierer-Szene kleine Wettbewerbe ausgelobt, in denen es darum geht, wer mit seinen SEO-Methoden ein frisch geschaffenes Kunstwort wie ‘ragetagol’ in den Google-Suchergebnislisten möglichst weit nach oben bekommt – kleine Wettläufe unter Profis, in denen diese alle möglichen und ‘unmöglichen’ Tricks der Suchmaschinenoptimierung anwenden, um das Kunstwort mit eigenen Seiten in den Google Suchergebnissen vor die der anderen SEOs zu bekommen – so wie im ‘richtigen’ Leben.

Hat Blackhat-SEO durch Keyword-Spamming bei Google noch eine Chance?

Inhalt:

  • Die Schlechten in’s Kröpfchen – die Besten in’s Töpfchen
  • Blackhat- und Whitehat-SEO
  • SEO-Test oder SEO-Contest ‘ragetagol’?
  • Das Google-Kurzfristergebnis
  • 20 Monate später -
    welche Reihenfolge liefert Google beim Key “ragetagol” aus?
  • Schlechtes Fazit für Googles AntiSpam
  • Update 09. Februar 2014 (ca. 3 Wochen später)

Die Schlechten in’s Kröpfchen – die Besten in Töpfchen

Nun sind den Suchmaschinen – allen voran Google -  nicht alle dabei zum Zuge kommenden Mittel der SEOs recht und ihre Macher bemühen sich, mittels ausgefeiltester Algorithmen nur die ‘besten’ Webseiten (im Sinne von: Welche Webseiten beantworten die Frage(n) des Users am besten?) auf den ersten Plätzen der Suchergebnis-Liste (SERP) zu präsentieren.

Führt aber selbst einfachstes, offensichtliches Keyword-Spamming nach wie vor zum Ziel?

Blackhat- und Whitehat-SEO

Google möchte (im Sinne seiner Benutzer), daß jeder auf seiner Internetseite den infragestehenden Begriff (das Produkt, die Dienstleistung) bestmöglich erläutert und idealerweise damit viele andere davon so begeistert, daß sie Links von anderen Websites aus (Blogs / Social Media / …) darauf setzen, sogenannte Backlinks (‘Whitehat-SEO)’. Die Wirklichkeit weicht wie immer von diesem Werbeparadies ab. Und so bemühen sich SEOs, die betreuten Produkte nicht nur im besten Lichte darzustellen, sondern den Suchmaschinen eben auch mit anderen Methoden die Produktqualitäten zu vermitteln. Das ging (und geht) z.B. mit einer Häufung des fraglichen Produktnamens (Begriffes / Suchwortes) – Stichwort  ‘Keyword-Dichte’ – bei übermäßigem Gebrauch ‘Keyword-Spamming‘ genannt. Das ging (und geht) mit künstlich erzeugten Backlinks und auf diversen anderen Wegen, die man dann in ‘Whitehat-SEO’ (die erlaubten Methoden) und ‘Blackhat-SEO‘ (die unerwünschten Methoden) aufteilt.

SEO-Test oder SEO-Contest ‘ragetagol’?

Vor etwa 20 Monaten nun interessierte Martin Mißfeldt auf seinem tagseoblog.de, ob die seit Jahren angekündigten Bemühungen der großen Suchmaschine Google, zumindest die Doping-Methode Keyword-Spamming zu unterbinden, erfolgreich waren oder nicht und führte einen kleinen SEO-Test durch.

Ein SEO-Test für den Key 'ragetagol' - Hier die Testseite

Ein SEO-Test für den Key 'ragetagol' - Hier eine der ursprünglichen Testseiten

Er schuf ein Kunstwort namens “ragetagol“, welches es bis dato nicht gab und für das Google entsprechend noch gar keine Fundstellen in seinem Index hatte.
5 Testseiten sollten zeigen, ob Google einfachste Blackhat-SEO überwindet.

  • eine leere Seite, welche das Keyword – für den User nur oben im Browser sichtbar – nur im Seitentitel (<title>) führte
  • eine Seite mit krassem Keywordstuffing (d.h. im Extrem: “ragetagol, ragetagol, ragetagol, ragetagol, ragetagol, ragetagol, …” – auch Keyword-Spamming genannt – Blackhat-SEO, s.o.)
  • eine ‘normale’ Content-Seite wie ein User (und Google) sie sich wünschen würde
  • eine fast leere Seite, die aber auf einer Website zu finden war, die Google schon vorher als relativ hochwertig (Trust) eingestuft hatte
  • eine Verteiler-Seite (bei einem Produkt-Katalog wäre dies die Kategorie-Seite), welche die vier anderen verlinkt

Das Google-Kurzfristergebnis

Kurzfristig schien Grund zum Jubeln, die Keywordstuffing-Seite, in der nur ‘ragetagol’ gehäuft wurde, erschien nicht einmal in den Google Suchergebnissen. Hier die damalige Rangliste:

  1. Die Content-Seite
  2. Die Verteilerseite
  3. Die leere Seite auf Universal-Seo, die nur das Keyword imTitle hat
  4. Die (fast) leere Seite im tagSeoBlog
  5. Eine Tipblog-Seite mit einem Kommentar, der das Stichwort ‘ragetagol’ enthielt
  6. weitere Tipblog-Seiten, auf denen dieser Kommentar erwähnt wurde

M. Mißfeld in seinem Fazit: “Keyword-Stuffung ist tot. … Anscheinend hält Google die Content-Seite für relevanter als die verlinkte. … Der Trust-Faktor des tagSeoBlog bringt offenbar nichts.”

Aber schon in einem der ersten Kommentare wandte Malte Landwehr sofort ein, daß womöglich nur bewiesen sei, daß nur plumpes Keyword-Stuffing tot sei und eine gestuffte Seite – z.B. mit der Hilfe einiger Backlinks – es trotzdem in den Google-SERPS nach oben schaffen könnte.

Was (oder wer? ;-) ) auch immer dafür verantwortlich war – bereits 1 Monat später rankte die Spamseite “ragetagol-unendlich” bereits auf Platz 1 der Google-SERP und behauptete längere Zeit vordere Ränge.
Das hat mich bewogen, einmal zu schauen, wie Google heute – 20 Monate später – diese Seiten bewertet.

20 Monate später -
welche Reihenfolge liefert Google beim Key “ragetagol” aus?

  1. dofollow.de (M.O. Hamann) – die ursprüngliche Spam-Seite als Zitat -
    und damit reichlich spammig !!!
  2. diagnoseo.de – ein SEO nutzt den SEO-Test “ragetagol”/ SEO-Contest zur Werbung für ein SEO-Diagnose Tool
  3. seo.at – ein weiterer SEO berichtet kurz über den Ragetagol-Test und schafft damit ‘Bronze’, wobei dieser Bericht meinethalben als Content-Seite durchgeht
  4.  –> universal-seo.de – die ursprüngliche Content-Seite,
    immerhin noch Platz 4 für den ‘guten’ Content
  5. –> universal-seo.de – die originale Spam-Seite auf Platz 5 !!!
    Mitten auf Seite 1 die Spam-Seite – hat jemand darauf verlinkt, oder warum rankt die so gut?
  6.  tipblog.de – der alte, erste Blog-Kommentar
  7. www.seoigg.de – eine Seite, die nicht etwa wegen guten Contents oder hoher Keyword-Dichte – schon gar nicht mit dem Begriff ‘ragetagol’ – gut rankt …
  8. networkedblogs.com – leitet um auf dofollow.de (also wieder M.O. Hamann, s.o.), immerhin eine Seite, auf der sich der Autor mit dem Test in 1 Satz beschäftigt, ansonsten aber den Inhalt der Spam-Seite kopiert – ergo ebenfalls Spam !!!
  9. Google schaltet Bilder zum Keyword ‘ragetagol’ – mehr oder weniger passend
  10. Der Blogpost des Testers (Mißfeldt), mit dem die Geschichte ihren Anfang nahm – wenn dies nicht wirklich eine Wunsch-Contentseite für User / Google ist …
  11. artikelschleuder.de – ein blogpost von M.O. Hamann, der ‘ragetagol’ kurz anreißt, sich aber ansonsten mit Backlinks / Linkbuilding beschäftigt

Diese Google-Suche (nicht eingelogged bei Google) erfolgte mittels Firefox.
Hier der Screenshot dazu:

Die Google-SERP-Liste zum Suchkeyword ragetagol

Die Google-SERP 15.01.2014 zum Suchkeyword ragetagol

Interessant vielleicht noch der Umstand, daß die selbe Reihenfolge von Google auch dem eingeloggten Firefox-User geliefert wird und das konstant über mehrere Tage. Der Safari-Nutzer aber bekommt keine Bilder und die Fundstellen auf 7 und 8 (s.o.) tauschen die Plätze. Bekam der Firefox-User auf Platz 11 immerhin noch das Artikelschleuder-Posting, bekommt der Safari-Nutzer stattdessen gleich das nächste Ergebnis (hier auf Seite 2, Platz 1).

Schlechtes Fazit für Googles AntiSpam

Mein Beileid, Matt Cutts. Natürlich ist auch dieses Ergebnis – wie so oft beim Warum und Wie in puncto Google-Algorithmus – ein Stochern im Nebel. Anzunehmen ist, daß andere Sites, die sich mit diesem Test beschäftigen, Links auf die Spam-Seite(n) gesetzt haben (was ich hier tunlichst minimieren wollte). Aber wie dem auch sei – Keyword-Spam blüht und gedeiht – trotz aller Google-Maßnahmen.

Ragetagol-Fazit: Keyword-Spamming funktioniert nach wie vor!

 

Update 09. Februar 2014

Content hat noch Chancen bei Google ;-)
Dieses Blog-Posting sowie das dazugehörige Google-Plus-Posting wurden mittlerweile (ca. 3 Wochen nach dem Posting) von Google auch auf die erste SERP gezogen. Man sieht allerdings auch, wie unterschiedlich verschiedene User zum selben Zeitpunkt mit der selben IP von Google bedient werden:
Links: Firefox f. Windows, nicht eingelogged,
Rechts: bei Google eingelogged (Firefox f. Mac, Google-User nicht mit 4you-solutions-Mail-Adresse). Der Einfluß der Suchhistorie des eingeloggten (‘befreundeten’) Userprofils ist sehr wahrscheinlich groß.
Links: Der nicht eingeloggte User bekommt dieses Blogposting auf SERP1, Platz 1.
Rechts: Dem bei Google eingeloggten User wird diesen Artikel erst auf Platz 9 ! präsentiert.
Während dieses Posting auf der linken Seite der einzige Content von 4you-solutions bleibt, bekommt der Google-User rechts – quasi zum Ausgleich noch das Google-Plus-Posting sogar auf Platz 5 (für den User doch wohl eher in der Bedeutung nachgelagert aber für Google wohl wichtiger …) und das eigentliche Posting noch einmal per Blog-URL auf Platz 10.
Obendrein werden dem eingeloggten User auch noch die Author-Integrationen angezeigt.

Aber keyword-spam-verseucht sind die SERPs von Google nach wie vor. Startet der Spamfilter womöglich erst bei größeren (ernstgemeinten) Seiten?

Die Google-SERP-Liste zum Suchkeyword ragetagol

Die Google-SERPs vom 09.02.2014 zum Suchkeyword ragetagol




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